Frauen in Männerberufen

Diese Woche fand wieder der überparteiliche Frauenstammtisch statt.

Anbei der Bericht:

Frauen in Männerberufen: Spannender Frauenstammtisch
„Manche Frauen muss man zu ihrem Glück zwingen“Wie setzt man sich als Frau in einem Männerberuf durch? Dazu hatten Bettina Schuler-Kargoll und die Bundestagskandidatin der Grünen, Annette Reif, beim überparteilichen digitalen Frauenstammtisch Spannendes zu erzählen. Bettina Schuler-Kargoll ist seit 30 Jahren Chefin von Schuler Rohstoffe in Deißlingen, Annette Reif arbeitet seit mehreren Jahren als globale Teamleiterin im Bereich Maschinenbau. Der überparteiliche Frauenstammtisch wird seit Sommer 2020 von Turid Pfautsch und Sonja Rajsp organisiert und findet am letzten Dienstag des Monats statt.
„Ich wäre nicht in der Position, wenn mein Vater mich nicht gedrängt hätte. Manche Frauen muss man zu ihrem Glück zwingen“, erzählte Bettina-Schuler-Kargoll, die eigentlich Lehrerin ist. Ihr Bruder sei prädestiniert gewesen für die Übernahme des Familienbetriebs, „aber mein Vater wollte unbedingt auch mich haben.“ Da sie schon als 14-Jährige im Betrieb mithalf, Messing und Kupfer zu sortieren – „mein Vater zahlte uns kein Taschengeld“ – kannte sie sich im Betrieb aus, als sie dort einstieg. „Aber als Frau war ich eine Exotin“, erzählte sie. Wenn sie ihren Vater dann als neue Chefin begleitete, sei sie schon auch mal für die junge Ehefrau gehalten worden, „die Leute konnten es kaum glauben.“ Als 16-Jährige sei sie eine Emanze gewesen, für Frauenrechte auf die Straße gegangen, nun stellte sie verstärkt Frauen ein, heute ist ihr Betrieb in der Branche deutschlandweit der mit dem höchsten Frauenanteil.Einfach war das nicht immer: Wenn die Mitarbeiterinnen Kinder bekamen, die Betreuungsmöglichkeiten aber fehlten. Und auch sie selbst hatte es nicht leicht, eine gute Betreuung für ihren Sohn zu finden. „Aber für ihn war es dann völlig normal, dass seine Mutter morgens zur Arbeit ging.“ Frauen müssen sich mehr beweisen, gerade in diesem Bereich, darum sorgte die junge Chefin für Netzwerke und einen demokratischen Führungsstil. In Sachen Kinderbetreuungsmöglichkeiten hat sich in den 30 Jahren zwar viel geändert, dennoch sieht sie heute noch große Schwierigkeiten für berufstätige Mütter: „Sie schaffen es auch mit verlässlicher Grundschule nicht, sie brauchen immer jemand im Hintergrund.“ Mehr Frauen in die Branche zu bringen ist ihr Ziel, darum bildet Schuler auch aus, aber es sei nicht einfach, Mädchen zu begeistern. 
Auch Annette Reif muss sich unter Männern beweisen, sieht aber auch Vorteile darin, die einzige Frau zu sein. Auch sie setzt auf Frauen-Netzwerke, wurde bei Vorstellungsgesprächen schon gefragt, ob ihr Mann denn alleine seine Socken finde. „Heute frage ich: Können Sie das nochmal wiederholen? Aber das muss man üben.“ Klar müsse man als Frau mehr Leistung bringen, „vom Verdienst ganz zu schweigen.“
Dass bei den Grünen die Positionen paritätisch nach Frauen und Männern aufgeteilt werden, „das genieße ich sehr.“ Mut und Selbstvertrauen, brauche es, betonte auch Bettina Schuler-Kargoll. „Man wird schnell belächelt. Aber ich hab oft gedacht: Ich schlag Euch mit Euren eigenen Waffen! Wir Frauen haben Stärken, die müssen wir nutzen.“ 
So ging es auch Annette Reif: „Wenn jemand zu mir sagt, Du kannst das doch nicht, dann sage ich mir: Dir zeige ich’s!“ Und als Frau habe man oft auch den Überraschungseffekt auf der Seite: „Die rechnen nicht damit, dass da eine Frau kommt, die auch noch was drauf hat.“ 
Bettina Schuler-Kargoll erzählte, sie sei auf Herz und Nieren geprüft worden, ob sie sich in der Schrottbranche auch wirklich auskenne, mit Erfolg: „Heute nehmen sie mich ernst.“ Beide ermutigten die teils sehr jungen Teilnehmerinnen des Stammtischs, sich in männertypische Berufe reinzutrauen, es habe sich ja auch viel geändert. „Mein Vater sagte: Halbtagsstellen gehen nicht. Die sind dann ja nie da. Aber er hat mich machen lassen.“ Und dann seien die jungen Frauen eine nach der anderen schwanger geworden. „Ich bin fast durchgedreht.“ Aber sie seien alle wieder zurückgekommen. „Das war dann wie ein Sechser im Lotto.“ 
Auch Moderatorin Sonja Rajsp erzählte von ihrem Berufsstart als Betriebswirtin, eine 50- bis 60-Stunden-Woche sei damals selbstverständlich gewesen. „Da hat sich heute viel geändert. Home office und Teilzeit sind normal, und das hilft sehr bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Bettina Schuler-Kargoll lud dazu ein, einen Sommer-Präsenz-Stammtisch in ihrem Betrieb abzuhalten, eine Einladung, die gerne angenommen wurde. Der nächste, noch digitale Stammtisch wird am 25. Mai um 20 Uhr stattfinden. Thema ist dann Gewalt gegen Frauen, dazu ist Renate Weiler von Frauen helfen Frauen/Auswege e.V. in Rottweil als Fachfrau dabei. Den Link dazu gibt es über Sonja@sonja-rajsp.de.

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