Es wird Weihnachten!

Lange habe ich überlegt, ob ich diese Zeilen noch vor Weihnachten schreiben soll.

Denn: Es nützt ja nichts. Oder doch?

Wir feiern Weihnachten, ein Fest, das mit Gnade und mit Geschenken zu tun hat. Mit Nächstenliebe, mit einem Kind.

Aber ich habe den Eindruck, als ob wir uns im Kreis drehen, als ob Gnade und Nächstenliebe weit weg sind. Letzte Einkäufe vor dem Fest, Klärung wer besucht wen wann, Recherche was genau wann verboten ist, Gerüchte wer positiv getestet wurde, der Versuch im Internet noch Geschenke zu finden… das ist momentan der Horizont vieler Menschen. Darum kreisen unsere Gedanken. 

Von Moria, dem griechischen Flüchtlingslager auf Lesbos will heute niemand mehr sprechen. Lieber keinen Gedanken daran verschwenden, wie es Flüchtlingen momentan geht. Man will sich damit nicht belasten. Aber ich denke, dass wir nicht das Recht dazu haben die Augen zu verschließen. Die Situation von Menschen, die nicht zufällig im reichen Deutschland geboren wurden, zu verschweigen. 

Wenn wir nach dem Abendessen (da bleibt noch die Frage: Raclette oder Fondue) und der Bescherung nicht noch länger über Corona reden wollen, sollten wir mal über Kara Tepe reden. Denn es geht uns alle an. 

Kara Tepe ist das „neue Moria“. Nach dem Brand in Moria wurde es provisorisch errichtet. Momentan „leben“ dort ca. 8.200 Menschen. In der Regel teilten sich je zwei Familien (7–8 Personen) eines der 1.000 Sommerzelte. 1.200 unbegleitete Minderjährige sind in fünf Großzelten untergebracht, davon sind nur zwei mit Stockbetten ausgestattet, in den anderen liegen die Kinder auf dem Boden. Es gibt zu wenige Toiletten und nur provisorische Kübelduschen mit kaltem Wasser. Es mangelt an passender Kleidung. Pro Tag wird nur eine kleine Mahlzeit ausgegeben; die ist kalt, weil die Caterer ohne Wärmeboxen liefern. Ab 31. Dezember 2020 sollten weitere 1.200 Menschen, die bisher noch in Containern im alten Flüchtlingslager Kara Tepe einquartiert waren, in das im September 2020 errichtete provisorische Zeltlager verlegt werden.

Ich muß an ein Lied von 1987 von Midnight Oil denken, in dem es heißt: „How can we sleep while our beds are burning?“ Ja, wie können wir in Ruhe schlafen, besinnlich Weihnachten feiern, während in einem europäischen Land Menschenrechte mit Füßen getreten werden? 

Ich bitte Euch: Macht Kara Tepe zum Thema! Redet darüber, oder spendet, oder unterschreibt diese Petition, oder schreibt an Eure Bundestagsabgeordneten, beschwert Euch, macht Druck, denn, es nützt etwas! 

Es wird Weihnachten. Auch auf Lesbos!

Bild: Pixabay

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