zero emission

Mein neues Auto wurde heute geliefert! 🙂 Oh ha. Ein neues Auto? Und das bei mir, wo ich doch sonst nur Second Hand Artikel kaufe. Tja, mein 15 Jahre alter Golf ging so langsam in die Knie (Kolbenaussetzer…) und da war die Frage nach einem Nachfolger, auch fĂĽr die vielen Fahrten im Wahlkampf. FĂĽr meine Fahrten von Aldingen nach Rietheim ist ein E-Auto optimal (zumal unser Haus mehr Strom produziert als wir verbrauchen, obwohl wir mit Strom ĂĽber eine Wärmepumpe heizen). Wir hatten dann einen Vergleich der möglichen Fahrzeuge gemacht. Ein Renault Zoe hat das beste Preis/Leistungsverhältnis. Und die Lieferzeit war kĂĽrzer als bei den deutschen Herstellern. 

Auch aufgrund dieser Neuanschaffung habe ich mich mal wieder kritisch mit dem Thema E-Mobilität beschäftigt, und auch mit den vielen Vorurteilen, die es hierzu gibt. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass der motorisierte Individualverkehr weniger werden wird, besonders aber zuerst in den Städten. Bei uns auf dem Land wird dies noch länger dauern. Und ĂĽbrigens, „auf dem Land“, also der ländliche Raum macht 70% der Fläche von Baden-WĂĽrttemberg aus, hier leben aber nur 35% der Bevölkerung.

Also, hier nun die Vorurteile und meine Sicht darauf:

Thema Sicherheitsrisiko:

Ein erhebliches Sicherheitsrisko (Brand) gibt es nicht. Statistiken (die die noch geringere Zahl der herumfahrenden E-Autos hochrechnen) zeigen, dass Verbrenner häufiger in Flammen aufgehen. Die häufigste Ursache für Autobrände ist laut ADAC, dass Kraftstoff oder Öl austritt und auf heiße Autoteile gelangt oder Reibung von Fahrzeugteilen an brennbaren Materialien. Diese Brandursachen sind beim E-Auto praktisch ausgeschlossen.

Thema Infrastruktur:

Die fehlende Infrastruktur ändert sich täglich. Vor allem auf dem Land gibt es eine Vielzahl an Ladesäulen. Besonders für Besitzer von Eigenheimen, die selbst Strom produzieren und somit ihre eigene Tankstelle sind, gibt es das Problem gar nicht. 90% der Fahrten sind sowieso Kurzstrecken im Umkreis.

Deutschland hat eine Vorbildfunktion, unabhängig davon, dass wir (natürlich) nur einen kleinen Anteil am weltweiten Ausstoß haben. Das deutsche EEG wurde von 113 Staaten kopiert. Die Welt schaut auf Deutschland.

Vorurteil Ă–l: 

Es ist ein interessanter Gedanke, dass die Ă–lförderung nicht sinken wird, wenn es weniger Verbrenner gibt, da die Nachfrage in anderen Teilen der Welt steigt. Das kann ich ĂĽberhaupt nicht nachvollziehen. Das wĂĽrde ja bedeuten, dass es heute eine Nachfrage gibt, die bisher nicht gedeckt werden kann. Das wäre mir neu. Dass zusätzlicher Bedarf dadurch entsteht glaube ich nicht. Maximilian Fichtner vom Helmholtz Institut sagt: Der klassische Verbrennungsmotor wird ein Problem bekommen, wenn er mit fossilen Treibstoffen befeuert wird. Ab 2025 muss mehr als die Hälfte des Ă–ls aus „unkonventionellen Quellen“ geholt werden: aus Fracking, Teersanden, der Tiefsee und der Arktis, was aus ökologischen GrĂĽnden nicht gewollt ist. Selbst wenn die Menschheit all diese Quellen nutzen wĂĽrde, reichte dieses Ă–l beim bisherigen Verbrauch nur fĂĽr 13,5 Jahre. Ab 2030 mĂĽssen mehr als 80 Prozent aus „unkonventionellen Quellen“ stammen.

Schon heute wird in Kanada in der Provinz Nord Alberta wird seit vielen Jahren im Tagebau ölhaltiger Teersand abgebaut und Erdöl daraus gewonnen. Eine Fläche so groß wie England (142.000qkm2), Wald, wird dafür umgegraben. Um 1 Barrel Rohöl zu gewinnen werden 5 Barrel Wasser benötigt. Wasser, das zurück bleibt und krebserregend ist. Wusstet ihr das? Mir war das neu.

Thema CO2 AusstoĂź:

Dass Elektroautos ĂĽber den kompletten Lebenszyklus betrachtet weniger CO2 ausstoĂźen wie Verbrenner wurde unzählige Male bestätigt. Die „Schweden-Studie“ die diese Unwahrheit 2017 in die Welt brachte wurde 2019 zurĂĽckgenommen. In den Köpfen ist es allerdings drin. Hier habe ich ausfĂĽhrlich dazu berichtet.

Thema Rohstoffe:

Ja für E-Autos wird eine Lithium Batterie benötigt. Wie für vieles andere auch. In Chile ist Lithium ursprünglich ein Nebenprodukt des Abbaus von Salz (z.B. Streusalz) gewesen und wird dort seit 1996 gefördert. Pro Akku werden 12kg Lithium benötigt. Im Gegensatz zu anderen Akkus kann das Lithium aus E-Auto Batterien am Ende de Lebenszeit wiederverendet werden. Um die 12kg Lithium gewinnen zu können werden 24.000kg Wasser benötigt. Um 1 kg Rindfleisch zu produzieren werden 15.000kg Wasser benötigt.

Stand heute gibt es weltweit 125 Mio Tonnen Kobalt. Stand heute werden pro Auto 6,8kg benötigt. Die Hersteller arbeiten mit Hochdruck daran dies zu verringern. Das Tesla Model 3 benötgt nur noch 2,8% davon, Tesla wird ab 2025 kein Kobalt mehr verwenden. Tesla und BMW verwenden kein Kobalt aus dem Kongo. Im Kongo gibt es ca. 50% des weltweit vorhandenen Kobalts. Kobalt ist ein Nebenprodukt des Kupfer und Nickel Abbaus.

Ausblick auf eine Veranstaltung im Januar:

Zum Thema Energie- und Verkehrswende werde ich Ende Januar eine Online Podiumsdiskussion mitgestalten. Ausser mir wird noch Jürgen Kretz dabei sein. Er ist Bundestagskandidat aus dem Wahlkreis Rhein-Neckar und war einige Jahre in der Demokratischen Republik Kongo für den Bereich wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an der deutschen Botschaft in Kinshasa. Der 3. Redner ist Dr. Klaus Steinmüller der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) als Senior Consultant im Thinktank Industrielle Ressourcenstrategien arbeitet. Ihr könnt somit eine interessante Online Veranstaltung erwarten. Der Termin wird entweder am 25.01. abends oder am 28.01. abends stattfinden. Anfang Januar werde ich den Termin hier auf meiner Homepage bekannt geben.

Verwandte Artikel