Annette bloggt

Mein Weg zu mehr Fairantwortung
Allgemein

#fairbylaw

24. April 2020

Heute jährt sich wieder das Unglück von Rana Plaza. Am 24.04.2013 stürzte in Bangladesh das Gebäude Rana Plaza ein. Dort waren Textilfirmen untergebracht, die großteils für den europäischen Markt produziert haben. Bei dem Unglück wurden 1135 Menschen getötet und 2438 verletzt. Dieser Tag hat mein Konsumverhalten im Bezug auf Kleidung verändert. Ich wollte Fairantwortung übernehmen und nicht mehr blind konsumieren und so Menschenleben gefährden. Jede/r von Euch, der/die schon mal bei eine Vortrag von mir war kennt meine Geschichte dazu.

Heute, sieben Jahre später, wollte ich mal wieder einen Blick darauf werfen was sich seither verändert hat und habe mal wieder recherchiert. 2018 habe ich hierzu schon mal einen Blog Artikel veröffentlicht, ihr findet ihn hier. Ehrlich gesagt hat sich seither nicht viel geändert. Auch heute noch gehen Experten davon aus, dass 50% unserer Kleidung unter prekären Bedingungen produziert werden. Der Grund hierfür ist, dass alle bisherigen Maßnahmen auf Freiwilligkeit basieren. Und da immer noch ausreichend viele Verbraucher keine Wert auf faire Textilien legen können diese immer noch gewinnbringend verkauft werden. Es gibt kein Gesetzt das Unternehmen für Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen haftbar macht, wenn diese ihre unternehmerische Sorgfaltspflicht im Ausland vernachlässigen.

Ich finde das für ein reiches Land wie Deutschland eine vertane Chance. Wir könnten international ein Vorbild sein, wenn wir ein solches Gesetz verabschieden würden. Frankreich hat übrigens 2017 ein solches Gesetz verabschiedet.

Einige von Euch sagen jetzt vielleicht: Aber der grüne Knopf wurde doch eingeführt! Ja, dazu kann ich Euch auch etwas schreiben:Das Texilsiegel „Grüner Knopf“ wurde im September 2019 eingeführt um ökologische und soziale Standards in der Textilindustrie sicherstellen. Der deutsche Verbraucher erkennt am Siegel ob die 20 Unternehmenskriterien und die 26 sozialen- und ökologischen Produktkriterien eingehalten wurden (z.B.: Verbot von Kinderarbeit bei der Herstellung, Recht auf Vereinigungsfreiheit und kollektive Verhandlungen, Verzicht auf gefährliche Chemikalien, Einsparung von Kohlendioxid (CO2))

Das Siegel steht allerdings in der Kritik. Es ist erstens nämlich wieder freiwillig, und zweitens sind laut der „Kampagne für saubere Kleidung“ die Kriterien deutlich zu schwach, die Überwachung unzureichend und die Ausnahmen zu umfangreich.

Auf einen Gesichtspunkt hieraus gehe ich auch in meinen Vorträgen ein. Der Grüne Knopf wird nämlich Unternehmen verliehen, die in den Herstellungsländern nach Mindestlohn bezahlen (was an sich ja schon mal nicht schlecht ist). Allerdings sieht der Monatslohnvergleich in Bangladesh lauf Fast Fashion Dossier 2019 von CIR so aus: 46 € tatsächlicher Lohn der Befragten, 85 € gesetzlicher Mindestlohn, 173 € Existenzsichernder Lohn. Diese Unterschiede sind erschreckend!

Auch die Verbraucherzentrale kritisiert den Grünen Knopf. Sie ist auch der Ansicht, dass Mindestkriterien für sozial und ökologisch verantwortungsvolle Produktion gesetzlich verankert werden sollten.

Für mich ist der Grüne Knopf nur ein weiteres Siegel (einige Beispiele: OCS, GOTS, BIO, BCI, Fair for live…) ohne Aussagekraft. Wenn ihr beim einkaufen gerne eine Übersicht hättet was denn welches Siegel aussagt empfehle ich Euch den Wegweiser von CIR. Ihr könnt ihr hier für 2 Euro bestellen.

Meiner Meinung nach wird nur ein Gesetz Klarheit und Verbindlichkeit bringen. Momentan läuft eine Petition die auf ein Gesetz zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht im Ausland drängt, die auch von Renate Künast unterstützt wird. Ich lade Euch ein mit mir, und über 150.000 anderen Druck auf die Regierung auszuüben und diese Petition zu unterschreiben. Ihr findet sie hier.

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